Krankenpflege damals und Heute

Anfänge der Gemeindekrankenpflege

Im 19. Jahrhundert gab es in Deutschland enorme Veränderungen. Bedingt durch die einsetzende Industrialisierung veränderte sich die bisherige Ordnung der Gesellschaft rapide. Die Menschen zogen in die Städte, da sie dort Arbeit finden konnten. Die Städte wuchsen, aber es entstanden dabei immer mehr Elendsquartiere

Wer gesund und jung war, konnte hier einigermaßen überleben. Die Not der Kranken und Alten aber war unbeschreiblich. Sie vegetierten oft - wenn überhaupt – nur notdürftig versorgt in Kellern oder Dachstuben vor sich hin. 

Neben der individuellen Not der Alten und Kranken sowie deren Angehörigen wuchs damit auch die Gefahr von Seuchen (z.B. Choleraepidemie).

1832 gründete die Hamburger Kaufmannstochter Amalie Sieveking einen „weiblichen Verein für Armen- und Krankenpflege“. Sie selbst widmete sich der Pflege der Menschen, hielt aber auch Vorträge, um auf die unhaltbare Not aufmerksam zu machen. Sie war die Wegbereiterin der modernen Gemeindekrankenpflege.

Ihre Arbeit trug auch in anderen Städten Früchte. Doch bald zeigte sich, dass guter Wille und Engagement nicht ausreichten. Es fehlte an Fachkenntnis, an praktischer Schulung. 

Diesem Problem nahm sich ab 1936 der Pfarrer Theodor Fliedner in Kaiserswerth am Rhein an. Er kaufte eine Villa mit 20 Zimmern und gründete dort eine „Ausbildungsanstalt für Krankenpflegerinnen“. 
Ziel war es, die Not der unversorgten Kranken zu Hause zu lindern.
 

Außerdem kam Fliedner als Pfarrer auch in die Häuser des Bürgertums und wusste um die seelische Not der vielen unverheirateten Bürgersfrauen, die sich zu Tode langweilten, aber keinen Beruf ausüben durften. Diese versuchte er für diese Arbeit zu gewinnen. So entstanden die Mutterhäuser, in denen Diakonissen eine Heimat fanden und von wo aus sie in die Gemeinden gesandt wurden.

Entstehung der Krankenpflegevereine

In den evangelischen Gemeinden bildeten sich Hilfsvereine, die heutigen Krankenpflegevereine, die für die Rahmenbedingungen (v.a. möblierte und mit einem Ofen versehene Wohnung, Essen, Bett- und Tischwäsche sowie ein geringes Entgelt) zu sorgen hatten. 

Ursprünglich unterstützten die Mitglieder der Hilfsvereine selbstlos die Gemeindekrankenpflege, ganz ohne eigene Ansprüche. Die Wohlhabenden taten etwas für die Armen, die selbst auch kaum einen Beitrag hätten leisten können.

Im Laufe der Zeit änderte sich diese Struktur jedoch. Die Mitglieder begannen, eigene Forderungen zu stellen und die Hilfsvereine nahmen mehr und mehr die Funktion einer Versicherung ein. Die Mitglieder bezahlten und erhielten dafür im Bedarfsfall Ermäßigung auf die Leistungen der Krankenschwester. 

Gemeindekrankenpflege in Hohenlohe

Nicht nur in den Städten war die Not der Alten und Kranken groß, sondern auch auf dem Land. 1885 begann Pfarrer Faulhaber in Schwäbisch Hall mit dem Bau eines Mutterhauses, um auch im ländlichen Hohenlohe die Kranken zu Hause versorgen zu können.

Zu Ausbildungszwecken wurde ein kleines Krankenhaus benötigt. Das Krankenhaus (das heutige DIAK) entstand also nur, weil die Schwestern für ihren Dienst in den Gemeinden ausgebildet werden mussten. Ein Arzt war anfangs nicht regelmäßig im Haus. Der Schwerpunkt der Arbeit mit Kranken lag eindeutig in der Pflege! 

Entwicklungen der letzten Jahrzehnte

Spätestens in den 70er Jahren des 20. Jahrhunderts aber war klar, dass das alte Konzept der Gemeindeschwester überarbeitet werden musste. Den modernen Anforderungen an Gemeindepflege und an Arbeitsbedingungen (Zahl der Diakonissen rückläufig) wurde das bisherige Konzept nicht mehr gerecht. Es entstanden die Diakonie-/Sozialstationen wie wir sie heute haben. 

Finanziert werden seither die Stationen nach dem Subsidiaritätsprinzip über die Krankenkassen, seit Mitte der 90er Jahre auch durch die Pflegekassen. Damit verloren die Krankenpflegevereine ihren Versicherungscharakter, da ja die Kranken- und Pflegeversicherungen diese Aufgabe übernommen haben. 

Viele Vereine nannten sich nun Krankenpflegeförderverein. Von einer Versicherung wurde der Verein wieder zu einem Instrument der uneigennützigen Unterstützung. 

Situation heute

Die Kranken- und Pflegekassen übernehmen die Finanzierung der Pflege. Diese ist mithin auch ohne Krankenpflegevereine und Unterstützung der Kirchengemeinden gewährleistet. 

So stellt sich die Frage: Warum betreiben wir als Kirchengemeinde noch eine Diakoniestation und brauchen wir noch einen Krankenpflege(förder)verein? 

Es ist nötig, weil die Kassen nur die medizinisch und pflegerisch notwendigen Maßnahmen bezahlen - und die nur sehr knapp.

Alte und Kranke sowie deren Angehörige sind nach wie vor in Not, wenngleich sich die Art der Schwierigkeiten verändert hat. 

Zum Beispiel mangelt es – bedingt durch die veränderten Arbeitsbedingungen und die damit sich auch verändernden Familienstrukturen - vielen Alten und Kranken verstärkt an sozialen Kontakten und menschlichem Zuspruch. Auch pflegenden Angehörigen fehlt oft die nötige mitmenschliche Unterstützung eines sozialen Netzwerks.

Früher war es für die Gemeindeschwester mit ihrem christlichen Menschenbild klar, dass Leib- und Seelsorge zusammen gehören. Ihre Arbeit war praktizierte christliche Nächstenliebe. Dieses christliche Menschenbild ist nach wie vor Grundlage der Arbeit unserer Schwestern, die alle der „Gemeinschaft der Haller Schwestern und Brüder“ angehören. 

Doch die Schwestern brauchen heute wie früher dazu die Unterstützung aus den Gemeinden, eben durch die Krankenpflege(förder)vereine. Diese Vereine ermöglichen es, dass sich – bei allem Druck, dem auch die Diakoniestationen nicht entkommen können – unsere Arbeit nicht auf rein „technische“ Leibpflege („Satt und Sauber“) beschränkt. 

Diakoniestationen sind Teil der Gemeinde. Sie haben eine Gemeinde im Hintergrund. Die Krankenpflegefördervereine sind das Bindeglied zwischen Gemeinde und Diakoniestation.

Die Mitglieder unterstützen die Krankenpflege(förder)vereine nicht, weil sie einen persönlichen Vorteil dadurch hätten, sondern sie sind uneigennützige Förderer der ganzheitlichen häuslichen Krankenpflege in den Gemeinden – genau so, wie es am Anfang bei der Gründung dieser Vereine war.

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Diakoniestation Öhringen e.V. • Im Stift - Marktplatz 23 • 74613 Öhringen • Telefon: 07941 / 984 98 40


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